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Taekwondo lernen
Die koreanische Kampfkunst der spektakulären Kicks – Disziplin, Tempo und Beinarbeit, die du in keiner anderen Sportart so findest.
Taekwondo ist eine der bekanntesten Kampfkünste der Welt und stammt aus Korea. Wörtlich übersetzt heißt es etwa "Weg von Fuß und Faust" – und genau das beschreibt es ziemlich gut. Im Mittelpunkt stehen schnelle, hohe und oft gesprungene Fußtechniken, dazu Faustschläge, Stände und festgelegte Bewegungsabläufe, die Poomsae heißen. Wenn du Taekwondo lernen willst, bekommst du eine Mischung aus Sport, Selbstverteidigung und Kopfsache: Es geht um Beweglichkeit und Kraft genauso wie um Konzentration, Respekt und das Durchhalten an Tagen, an denen der Kick einfach nicht sitzen will. Olympisch ist Taekwondo seit den Spielen 2000 in Sydney, und gerade für Kinder ist es eines der beliebtesten Einstiegssysteme überhaupt. Das Schöne: Du brauchst keine Vorerfahrung. Die meisten Vereine nehmen dich genau da ab, wo du gerade stehst.

Herkunft & Geschichte
Taekwondo in seiner heutigen Form ist erstaunlich jung. Es entstand Mitte des 20. Jahrhunderts in Korea, als verschiedene Schulen – die sogenannten Kwans – nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem gemeinsamen System zusammengeführt wurden. 1955 setzte sich der Name "Taekwondo" durch. Die Wurzeln reichen aber weiter zurück: Alte koreanische Kampfsysteme wie Taekkyon flossen ebenso ein wie Einflüsse aus dem japanischen Karate, das während der Besatzungszeit nach Korea kam. Wichtig zu wissen ist die Trennung in zwei große Strömungen. Die ITF (International Taekwon-Do Federation), 1966 von General Choi Hong-hi gegründet, legt mehr Wert auf den traditionellen Charakter und nutzt einen speziellen Bewegungsrhythmus, das sogenannte Sinusprinzip. Die WT (World Taekwondo, früher WTF) ist der olympische Zweig und stark sportlich-wettkampforientiert, mit elektronischen Westen und Punktewertung im Kampf. Beide sind "echtes" Taekwondo, betonen aber unterschiedliche Dinge. Welcher Verband hinter deinem Verein steht, merkst du spätestens an den Formen und am Wettkampfstil – frag im Probetraining ruhig danach.

Was du beim Taekwondo-Training lernst
Eine typische Trainingseinheit beginnt mit Aufwärmen und Dehnen, denn ohne bewegliche Hüften wird das mit den hohen Kicks nichts. Danach folgt meist die Grundschule, das Kibon: Stände, Fauststöße und die wichtigsten Tritte. Den Frontkick (Ap Chagi), den Seitwärtskick (Yop Chagi) und den Halbkreiskick (Dollyo Chagi) lernst du früh. Später kommen die spektakulären Sachen dazu – Drehkicks und Sprungkicks, bei denen du dich vom Boden löst. Ein fester Bestandteil sind die Poomsae, festgelegte Formen gegen imaginäre Gegner. Sie wirken am Anfang wie Schattenboxen mit Choreografie, schulen aber Gleichgewicht, Technik und Konzentration enorm. Dazu kommt Partnertraining, Pratzen- und Pratzenarbeit am Schlagpolster sowie der Bruchtest, bei dem du Bretter zerschlägst – das ist weniger Show, als viele denken, und eher ein ehrlicher Test deiner Technik. Je nach Verein gibt es zusätzlich Wettkampftraining (Kyorugi) und Selbstverteidigung. Und immer wieder die koreanischen Kommandos: Charyeot (Achtung), Kyeongnye (Verbeugung), Sijak (Anfang). Die lernst du nebenbei mit.
Für wen Taekwondo geeignet ist
Die ehrliche Antwort: für fast jeden. Taekwondo ist eine der kinderfreundlichsten Kampfkünste, viele Vereine haben eigene Gruppen ab etwa vier bis sechs Jahren. Kinder profitieren von der klaren Struktur, dem Gürtelsystem als Motivation und davon, dass Höflichkeit und Disziplin Teil des Trainings sind – nicht als Drill, sondern als Haltung. Für Erwachsene ist es ein super Ganzkörpertraining, das Kondition, Beinkraft und vor allem Beweglichkeit fordert. Wenn du dich schon ewig nicht mehr richtig bewegt hast, wirst du die Dehnübungen zu Beginn spüren – das gibt sich aber schneller, als du denkst. Du musst weder besonders gelenkig noch fit sein, um anzufangen. Die hohen Kicks kommen mit der Zeit, niemand erwartet sie in der ersten Stunde. Wer gezielt Selbstverteidigung sucht, sollte wissen, dass der olympische Wettkampfzweig stark auf Beintechniken und Punkte setzt; für reine Straßentauglichkeit sind Vereine mit ausdrücklichem SV-Schwerpunkt die bessere Wahl. Frag beim Probetraining nach, worauf der jeweilige Verein den Fokus legt.

Dein erstes Training
Zum ersten Mal reicht bequeme Sportkleidung und Hallenschuhe oder besser gleich barfuß, denn Taekwondo wird ohne Schuhe trainiert. Den weißen Anzug, den Dobok, brauchst du noch nicht – wenn du dabeibleibst, besorgst du ihn dir später, oft über den Verein. Komm ein paar Minuten früher, melde dich beim Trainer und sag, dass es deine erste Stunde ist. Niemand erwartet, dass du etwas kannst. In der Halle (dem Dojang) gilt eine einfache Etikette: Beim Betreten und Verlassen wird sich verbeugt, dem Trainer gegenüber ebenfalls. Das ist kein steifes Ritual, sondern Ausdruck von Respekt und gehört dazu. In der ersten Einheit machst du das Aufwärmen mit, lernst ein, zwei Grundtechniken und probierst die ersten Kicks – wahrscheinlich wackelig, das ist völlig normal. Erwarte am nächsten Tag Muskelkater in Beinen und Hüfte. Trink genug, hab keine Angst vor Fehlern und stell Fragen. Gute Trainer freuen sich über Anfänger, die wissen wollen, warum eine Bewegung so läuft, wie sie läuft.
Vorteile für Körper & Geist
Körperlich ist Taekwondo ein echtes Rundumpaket. Die vielen Tritte trainieren Beinkraft, Rumpfstabilität und Gleichgewicht, das ständige Dehnen macht dich beweglicher, und das Tempo im Training bringt deine Ausdauer auf Trab. Weil so viele Bewegungen über Hüfte und Standbein laufen, verbessert sich nebenbei deine Körperkontrolle spürbar – das merkst du auch im Alltag. Mindestens genauso wichtig ist der Kopf. Poomsae zu lernen heißt, sich Abläufe zu merken und sauber abzurufen, das schult Konzentration und Geduld. Das Gürtelsystem gibt dir greifbare Ziele und das gute Gefühl, sichtbar besser zu werden. Viele berichten, dass sie durch das Training selbstsicherer auftreten und mit Stress gelassener umgehen – nicht weil sie sich plötzlich für unbesiegbar halten, sondern weil sie gelernt haben, dranzubleiben und über sich hinauszuwachsen. Dazu kommt die Gemeinschaft im Verein: Man schwitzt zusammen, hilft sich gegenseitig und feiert die Gürtelprüfungen miteinander. Genau diese Mischung aus Fordern und Zusammenhalt hält die meisten über Jahre dabei.
Häufige Fragen zu Taekwondo
Ist Taekwondo für Anfänger und Kinder geeignet?
Ja, ausdrücklich. Taekwondo gilt als eine der einsteigerfreundlichsten Kampfkünste und ist bei Kindern besonders beliebt. Die meisten Vereine haben eigene Anfänger- und Kindergruppen, oft schon ab vier bis sechs Jahren. Du brauchst keine Vorerfahrung, keine besondere Fitness und musst auch nicht beweglich sein – die hohen Kicks kommen mit dem Training. Erwachsene sind genauso willkommen, viele fangen erst mit 30, 40 oder später an.
Wie funktioniert das Gürtelsystem im Taekwondo?
Dein Fortschritt wird über farbige Gürtel sichtbar gemacht. Du startest mit Weiß und arbeitest dich über Gelb, Grün, Blau und Rot nach oben – die genaue Reihenfolge und Zwischenstufen unterscheiden sich je nach Verband (WT oder ITF). Diese Schülergrade heißen Kup oder Gup und zählen rückwärts auf den Schwarzgurt zu. Der Schwarzgurt selbst gliedert sich in Dan-Grade. Für jeden Aufstieg legst du eine Prüfung ab, in der Technik, Poomsae und je nach Grad auch Kampf oder Bruchtest gezeigt werden.
Ab welchem Alter kann man mit Taekwondo anfangen?
Viele Vereine bieten Bambini- oder Kindergruppen ab etwa vier bis sechs Jahren an, in denen spielerisch Koordination und erste Techniken geübt werden. Nach oben gibt es praktisch keine Grenze – auch im mittleren und höheren Alter kann man problemlos einsteigen, solange man das Training an die eigene Beweglichkeit anpasst. Am besten fragst du direkt beim Verein nach den Altersgruppen, das wird vor Ort unterschiedlich gehandhabt.
Was ist der Unterschied zwischen ITF und WT, und ist Taekwondo olympisch?
Es gibt zwei große Verbände. Die ITF (International Taekwon-Do Federation) ist traditioneller ausgerichtet und nutzt einen eigenen Bewegungsrhythmus. Die WT (World Taekwondo) ist der olympische Zweig mit starkem Wettkampffokus, elektronischen Trefferwesten und Punktewertung. Taekwondo ist seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney offizielle olympische Disziplin – das betrifft den WT-Stil. Beide Richtungen sind echtes Taekwondo, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte.
Welche Ausrüstung brauche ich, und was ist ein Dobok?
Für das erste Training reicht bequeme Sportkleidung, trainiert wird barfuß. Der typische weiße Anzug heißt Dobok und wird mit dem farbigen Gürtel getragen – den besorgst du dir meist erst, wenn du dabeibleibst, oft direkt über den Verein. Für Partner- und Wettkampftraining kommen später Schutzausrüstung wie Mundschutz, Tiefschutz, Schienbein- und Unterarmschützer sowie eine Trefferweste dazu. Was genau du brauchst, hängt vom Verein und davon ab, ob du Wettkämpfe bestreiten willst.